agrar-GmbH Mönchenholzhausen

Der Mensch im Umgang mit dem Rind


Die Kuh und das Horn                    (9.1.2020)


Sieht sie nicht schick aus, mit ihren schönen Hörnern?


Eigentlich haben unsere Kühe ja keine Hörner, aber nur, weil wir sie „enthornen“.

  Jeder kennt sie – Kühe auf alten Bildern haben meist Hörner.

 

Aber das war nicht immer so. Ursprünglich waren Rinder nämlich hornlos. Es gibt Bilder aus den Pyramiden von Ägypten, wo Kühe ohne Hörner abgebildet sind.

Erst eine Mutation (eine spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbgutes) führte dazu, dass unserem Nutzvieh Hörner wuchsen.

Das passte unseren Vorfahren sehr gut. Wurden Rinder ja nicht nur des Fleisches und der Milch wegen gehalten. Sie wurden auch zum Arbeiten genutzt. Rinder haben den Bauern bei der Feldarbeit unterstützt. Sie wurden vor den Pflug und auch vor den Wagen gespannt. Durch die Hörner konnte das Joch (das Zuggeschirr) besser am Kopf der Tiere befestigt werden. Deshalb wurden gezielt Tiere mit Hörnern gezüchtet, so dass die Hornlosigkeit bald verschwand.

In den 60-er Jahren wurden dann unsere Kühe im Rahmen der Zwangskollektivierung gemeinschaftlich in größeren Ställen untergebracht. Auch die Haltungsform änderte sich. Die Kühe wurden in moderneren Ställen in Laufbuchten gehalten. Sie waren nun nicht mehr einzeln angebunden. 

Jetzt störten die Hörner, da sich die Tiere durch Rangkämpfe gegenseitig verletzen konnten und natürlich die Verletzungsgefahr für die Tierpfleger wuchs. Auch hatte schon lange der Traktor die Feldarbeit übernommen.

Deshalb wurden nun die Hörner sehr aufwendig abgesägt. Das war keine schöne Arbeit. Weder für den Mensch noch für das Tier.

In der jetzigen Zeit werden nun die Hornanlagen beim Kalb im Alter von ca. 5-6 Wochen verödet, so dass es gar nicht erst zum Hornwachstum kommt. Auch das ist keine so sehr schöne Arbeit. Um Schmerzen zu vermeiden, wird den Kälbern ein Schmerzmittel gegeben und sie werden schlafen gelegt. Aber leider sind bei uns dabei auch schon zwei Tiere nicht wieder aufgewacht.

Es gibt Rinderrassen, die genetisch hornlos sind. Zum Beispiel: Aberdeen Angus, Deutsch Angus, Polled Hereford, oder Galloway. Dabei handelt es sich um Fleischrassen.

Auch bei unserer Holstein-Friesian-Rasse wurden immer mal hornlose Tiere entdeckt. Diesen hat man jedoch keine große Aufmerksamkeit geschenkt, da man der Meinung war, dass Kühe mit genetischer Hornlosigkeit weniger Milch geben.

Bereits 1924 stellte jedoch eine hornlose Kuh „Beauty Plum Johanna Pp“ den Weltrekord für Butterfett auf.

Seit 2012 sind die ersten Zuchtbullen im Einsatz, die eine Hornlosigkeit sicher vererben. Mittlerweile ist es so, dass wir das genetische Erbgut unserer Kühe sehr weit entschlüsselt haben. Es wurde auch das Gen gefunden, das die Hornlosigkeit vererbt. Die Forscher haben festgestellt, dass die Hornlosigkeit dominant gegenüber der Eigenschaft für Hörner vererbt wird. Das macht es uns viel einfacher, gezielt auf Hornlosigkeit zu züchten.

Natürlich ist es trotzdem ein langer Weg bis zu einer vollkommen hornlosen Herde. Das wird so ca. 15 bis 20 Jahre dauern.

Mittlerweile sind bei uns 18 % der Kühe und 51 % der Kälber und Jungrinder genetisch hornlos.

Wir setzen ungefähr 50 % der Bullen ein, die genetische Hornlosigkeit vererben. Natürlich kann man nicht einfach 100 % genetisch hornlose Bullen einsetzen, da man sich damit in den Eigenschaften, die man bei der Nachzucht verbessern will, sehr einengen würde.

Unser Ziel bleibt es jedoch, eine genetisch hornlose Herde zu züchten. 




Das Rind und die Ohrmarke

In der gesamten EU und somit auch in Deutschland sind alle Rinder zu registrieren und mit jeweils zwei Ohrmarken zu versehen. Dies ist in der VVVO (Verordnung zum Schutz gegen die Verschleppung von Tierseuchen im Tierverkehr) geregelt.

Alle Rinder sind in einer Datenbank registriert. Und jedes Rind hat eine eigene Nummer – so wie bei uns die Personalausweisnummer.

Wird ein Kalb neu geboren, ist die Geburt innerhalb von 7 Tagen zu melden. Dazu gibt es eine Datenbank, die HI-Tier heißt. Wir können die Tiere direkt dort anmelden oder die Anmeldung über den Thüringer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht (TVL) per Postkarte vornehmen.

Für jedes Tier stehen uns dann zwei Ohrmarken zur Verfügung. Diese ziehen wir am Tag nach der Geburt gleich ein, damit wir die Tiere nicht verwechseln, wenn mal mehrere an einem Tag geboren werden. Eigentlich hätten wir dazu 7 Tage Zeit.

Auf den Ohrmarken ist die individuelle Tiernummer aufgedruckt. Diese besteht aus zwei Buchstaben und 10 Ziffern. Die Buchstaben geben Auskunft über das Herkunftsland – DE = Deutschland. Die ersten beiden Ziffern geben Auskunft über das Bundesland, in dem das Tier lebt 16 = Thüringen. Danach kommt eine fortlaufende Nummer.

Damit ist jedes Tier eindeutig dem Halter zuzuordnen.

Also – wenn euch einmal im Wald oder auf dem Feld ein Rind gegenüber steht – merkt euch die Ohrmarke. Danach kann der Amtstierarzt relativ schnell feststellen, wem das Tier entlaufen ist.

Mit dem Einziehen der Ohrmarken können wir gleichzeitig noch ein weiteres Problem lösen. Es gibt eine Tierkrankheit, die BVD (Bovine Virusdiarrhoe / Mucosal Disease), die wir in Deutschland versuchen auszumerzen. Beim Einziehen der Ohrmarke wird gleichzeitig etwas Gewebe aus dem Ohr entnommen. Damit kann dann im Labor untersucht werden, ob das Tier Träger dieser Krankheit ist. Somit erspart uns das eine aufwendige Blutentnahme beim Kalb.